Zeitmaschinen

Ich weiß, eine konkrete Zeitmaschine hat noch niemand gebastelt, aber wie wäre es mit Ihnen, lieber Leser? Immerhin hat Marlin B. Pohlmann aus Tulsa (USA) 2006 ein US-Patent auf eine Zeitmaschine angemeldet , und den Anfang der Patentschrift ("Method of gravity distortion and time displacement") will ich hier übersetzt präsentieren (soweit ich ihn verstanden habe):
Es wird eine Methode vorgestellt zur Anwendung sinusoidaler Schwingungen einer elektrischen Bombardierung auf der Oberfläche einer Kerr-Singularität in enger Nachbarschaft zu einer zweiten Kerr-Singularität, wobei Vorteile gezogen werden aus dem Lense-Thiring-Effekt, um die Wirkung zweier Punktmassen auf beinahe kreisförmigen Umlaufbahnen in einer 2+1-dimensionalen Anti-de Sitter-Welt zu simulieren, was zur Schaffung einer kreisförmigen zeitähnlichen Geodätischen führt, in Übereinstimmung zur van Stockum unter der Van Den Broeck Modifikation einer Alcubierre-Geometrie, was die Änderung der Topologie erlaubt, von einer raumähnlichen zu einer anderen in Übereinstimmung mit Gerochs Theorem, was zu einer Methode der Schaffung einer Gödelartigen, geodätisch vollständigen Raumzeiteinbettung führt, komplett mit geschlossenen zeitartigen Raumzeitlinien.
Na bitte, geht doch. Und wenn Sie's nicht ganz verstanden haben: Auf den folgenden 30 Seiten (plus Abbildungen) werden alle Unklarheiten beseitigt. Hoffentlich.
Pohlmanns Zeitmaschine

Martin Pohlmanns Zeitmaschine (Patent Nr. US 2006/0073976 A1, Apr. 6, 2006


Die erste Zeitreise mit einem technischen Gerät vollführte der amerikanische Schriftsteller Edward Page Mitchell in der Zeitschrift "Sun" schon im Jahre 1881. Die Zeitmaschine war eine Uhr! Diese Idee wurde in der satirischen Comicserie "Herbie" aufgenommen, wo der fette faule Herbie mittels Pendeluhr als Zeitmaschine ins alte Ägypten reist, um für seinen Vater die schöne Cleopatra zu entführen. Die erweist sich allerdings als fette faule Schlampe, welch merkwürdiger Zufall. Lasst uns wieder ernsthaft werden: Mitchell erfand auch schon 1877 die Teleportation ("The Man without a Body", ebenfalls in der Sun) und beschäftigte sich wohl als erster mit dem Zeitparadoxon.

Wurmlochpassage
Wurmloch-Passage: Ein Raumschiff dringt in das Wurmloch durch die eine Öffnung ein und verlässt es durch die andere, wobei es entweder in ein anderes Universum gelangt oder in das gleiche Universum, aber in eine andere Zeit.


So machte sich Wheelers Schüler Kip Thorne auf die Suche nach Wurmlöchern, die Zeitreisen erlauben. In dem Buch "Black Holes and Time Warps: Einstein's Outrageous Legacy" (1994) nahm er zwei Wurmlöcher als Ein- und Ausgang eines Tunnels durch die Raumzeit (wieder ein Konzept, das SF-Autoren schon viel früher hatten: Sie nannten diesen Tunnel "Hyperraum"). Ausgehend von Einsteins Formeln zur Allgemeinen Relativitätstheorie konnten er und Wheeler zeigen, dass Schwarze Löcher nicht immer gänzlich "schwarz" sein müssen. Es gibt auch welche, die auf der anderen Seite "weiß" sind, was, in die Alltagssprache übersetzt, bedeutet, dass sie alles, was sie verschlucken, auf der anderen Seite wieder ausspucken. Die andere Seite könnte ein anderes Universum sein, oder unser eigenes, aber dann in einer anderen Zeit. Das Geschluckte wird dann vor dem Verschlucktwerden wieder ausgespuckt.
Zwar sind Wurmlöcher kleiner als Atomkerne und sie leben kürzer als ein Lichtblitz, aber man könnte sie ja irgendwie aufblasen und mit dem entsprechenden Raumzeitkleber stabilisieren. Woher die Wurmlöcher kommen, ist eine andere Sache (durch Energiefluktuationen aus dem "Quantenschaum"), wie man ihre Öffnungen ("Münder") vergrößert, desgleichen; und erst recht, wie sie stabilisiert werden sollen. All das reicht aber nicht: Jetzt muss auch noch das eine Wurmloch gegenüber dem anderen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, damit es zur Zeitverschiebung ("Zeitdilatation" nach Einstein) kommt. Weil das nun wirklich nicht funktionieren würde, haben sich Thorne und Mitarbeiter eine andere Methode ausgedacht, die ebenfalls auf Einstein zurückgeht: Schwere Massen verlangsamen den Zeitfluss. Es würde also genügen (!), das eine Wurmloch in die Nähe einer großen Masse (z.B. eines Weißen Zwergs) zu bringen, um dort die Zeit zu verlangsamen. Wenn das alles bewerkstelligt wurde, kann ein Mensch durch den Übergang von einem Wurmloch-Mund zum anderen in der Zeit reisen (in jeder Richtung). Abgesehen von all den technischen Problemen bleibt auch hier die unangenehme Tatsache, dass man nur jene Zeiten bereisen kann, in denen beide Wurmlöcher existieren. Davon hat die Wissenschaft wenig, dafür handelt sie sich die Paradoxa ein, die nicht sein dürfen. Davon im nächsten Kapitel mehr!
Im übrigen: Wer sich eine Zeitmaschine zulegen will, dem sei zuvor wärmstens John Brunners "Der galaktische Verbraucher-Service: preiswerte Zeitmaschinen" zur Lektüre empfohlen (in: "Zielzeit", Heyne 1965). Damit keiner im zeitlichen Nichts landet und sich nachher bei den Verbraucherzentralen beklagt ...

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