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verarbeitet
und in sich gespeichert. Jetzt, zum Abschied, lud die Hohepriesterin
sie zu einer Abschiedszeremonie ein. (Alles im Tempel verlief
zeremoniell. Es gab nichts Spontanes, fast möchte man sagen:
Nichts Menschliches. Alles war streng vorgeschrieben. Doch gerade
diese Regelhaftigkeit und Regelmäßigkeit verlieh dem
Wissen Struktur, dem Leben Gehalt, der Umgebung Sicherheit.)
Zum
ersten Mal durfte Hara der Hohepriesterin gegenübersitzen.
Zwischen ihnen stand eine dampfende Schale. Die Hohepriesterin
schenkte jedem von ihnen einen Becher voll ein.
"Was
ist das?" wagte Hara zu fragen.
"Tee"
sagte die Frau mit dem zeitlosen Gesicht, den streng zurückgebundenen
Haaren und dem langen Gewand. Es klang sehr trocken, und Hara
hatte beinahe das Gefühl, als ob sich ein verborgenes Lächeln
zwischen die Mundwinkel verirrte. "Das heilige Getränk
einer anderen Gottheit." fügte sie hinzu, und in ihrer
Stimme schwang untergründiger Humor.
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4
"Du warst eine gute und gehorsame Schülerin" begann
die Frau mit dem undurchdringlichen Antlitz, und der stille Raum
war erfüllt von der Feierlichkeit der Göttin. "Du
wirst jetzt in die Welt hinausgehen und Dein Wissen anwenden und,
soweit es nötig und erlaubt ist, unter die Menschen bringen.
Da draußen in der Welt voll Krieg und Hass, voll Gewalt
und Niedertracht, sollst Du eine Perle der Liebe sein. Du sollst
das Licht weitergeben, das hier in deinem Herzen entzündet
wurde. Es wird dir manchmal schwer fallen. Du wirst vielen Menschen
begegnen. Manche werden an dir schuldig werden, an manchen wirst
du Schuld abladen. Das ist nicht so schlimm. Wir alle sind unvollkommen.
Doch denke daran, dies ist nicht unser erstes Leben, und es wird
nicht unser letztes sein. Was du hier begonnen hast, kannst du
im nächsten Leben vollenden. Was du hier den Menschen Schlimmes
angetan hast, kannst du im nächsten Leben gutmachen. Karma
ist nicht das Gesetz von Ursache und Wirkung, sondern das Gesetz
des Ausgleichs. Und es unterliegt deinem freien
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